otto ist nachhaltig

otto ist nachhaltig

In der Ottostadt engagieren sich die „AllesRetter Magdeburg“ dafür, dass Lebensmittel und ausrangierte Produkte nicht zwangsläufig im Müll landen.

Gegen Verschwendung und für Nachhaltigkeit: Dieses Motto haben fünf Magdeburgerinnen und Magdeburger im November 2019 ausgegeben, einen Verein aus der Taufe gehoben und mit einer Bäckerei einen Kooperationspartner gefunden. Knapp zwei Jahre später engagieren sich bei den „AllesRettern Magdeburg“ 30 Ehrenamtliche, es gibt etliche Partner-Geschäfte – Tendenz steigend. Es spricht sich herum, was die Retterinnen und Retter auf die Beine stellen. Der Name ist Programm. Sie sorgen dafür, dass Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum gerade abgelaufen ist, die „angeschlagen“ oder nicht mehr ganz frisch sind, nicht in der Tonne landen. Sie sind da, wenn noch brauchbare Möbel, Geräte, Bekleidung aussortiert werden. Wer etwas übernimmt, kann eine Spende hinterlassen, Bedingung ist das aber nicht. Produkte bieten die „AllesRetter“ in ihrer Facebook-Gruppe an, die Lebensmittel werden an vier Stationen verteilt: im Alten- und Service-Zentrum „Pik ASZ“ in der Leipziger Straße, in Stadtfeld und in Rothensee. Angefahren werden auch das Kinderheim und Altenpflege-Einrichtungen.

Der Nachhaltigkeitsgedanke treibe sie alle an, meint Koordinatorin Sybille Matthes. Und die Dankbarkeit aller, die etwas geschenkt bekommen – und das sind nicht nur Bedürftige, wie die Magdeburgerin weiß, sondern alle, die ihren ökologischen Ansatz teilen. Ihr treibt es Tränen in die Augen, als sie von einem Erlebnis mit einer Seniorin berichtet: „Wir hatten Blumen in die Einrichtung gebracht. Sie war so dankbar und erzählte, dass sie sich kaum noch daran erinnern könnte, wann sie das letzte Mal einen Strauß geschenkt bekommen hat. Das sind die Momente, bei denen ich genau weiß, warum wir das alles machen.“ Zu diesen Momenten gehören auch die, wo sie die Lebensmittel-Mengen abschätzen, die sie in Magdeburg gerettet haben. Mehrere Tonnen sind das im Monat. Sybille Matthes sagt: „Es ist erschütternd, wenn man sieht, wie viel Essbares weggeschmissen wird.“ Sie freut sich jedoch über „das gestiegene Interesse“ an ihrer Arbeit. Menschen würden feinfühliger mit Lebensmitteln umgehen – im Gegensatz zur jüngsten Vergangenheit, „wo man schon schief angeschaut wurde, weil man abgelaufene Lebensmittel noch verwenden wollte“. Jetzt kommen Magdeburgerinnen und Magdeburger und holen sich beim Verein Lebensmittel ab, schicken manchmal danach Fotos von Gerichten, die sie daraus gemacht haben. Auf der anderen Seite ist man in den meisten Supermärkten offen, wenn der Verein anfragt.

Inzwischen sammeln die „AllesRetter“ Lebensmittel im gesamten Stadtgebiet ein. Dennoch könnten es „gern noch mehr Kooperationspartner werden“, wünscht sich auch Janine Schmied vom Verein. „Der Bedarf ist da“, meint sie. Was die Retterinnen und Retter aus den Läden holen, landet teils auch bei der „Tafel“ oder der Bahnhofsmission. Zu tun gibt es genug für den Verein, dessen nahes Ziel ist, bald als offiziell eingetragen zu agieren. Ein weiteres Nah-Ziel heißt, einen Sponsor zu finden, der einen festen Standort ermöglicht. Bisher agieren die Koordinatorinnen meist von zu Hause aus, halten Kontakt übers Telefon und Internet. Lagerkapazitäten gibt es nicht, alles wird sofort verteilt.

Sybille Matthes versprüht trotzdem Zuversicht für die Zukunft und sagt: „Das wird alles, wir wachsen mit unseren Aufgaben.“ Die Magdeburgerin handelt auch privat seit Jahren so, dass ihr „ökologischer Fußabdruck“ möglichst klein bleibt. Das Credo der gelernten Verkäuferin lautet: „Einfach leben und vieles selbst herstellen.“ Ihre Erfahrungen und Werte möchten sie und ihre Mitstreiter/-innen künftig auch dem Nachwuchs mehr nahebringen. „Kinder sind die nächsten Generationen. Ihnen müssen wir zeigen, dass man nicht alles wegschmeißen muss. Aus angeschlagenen Tomaten kann noch Ketchup oder Sauce werden, wenn eine Jeans kaputt geht, kann ein Flicken draufgenäht werden.“

 

Foto von Susann (49)

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Veröffentlichung

Sa, 17. Juli 2021

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